Gezielte Nadeltechniken als mögliche Ergänzung der Behandlung
Dry Needling und intramuskuläre elektrische Stimulation, kurz IMES, können bei ausgewählten Beschwerden des Bewegungsapparates als Teil eines individuellen Behandlungskonzepts eingesetzt werden.
Ob eine Nadelbehandlung sinnvoll ist, richtet sich nicht allein nach einer Diagnose. Entscheidend sind die individuelle Untersuchung, die Art der Beschwerden, mögliche Risiken und Ihre persönlichen Präferenzen.
Eine Behandlung erfolgt nur nach vorheriger Aufklärung und mit Ihrem Einverständnis.
Beim Dry Needling werden dünne, sterile Einmalnadeln gezielt in ausgewählte Bereiche der Muskulatur oder des umgebenden Gewebes eingebracht. Häufig werden dabei druckempfindliche Muskelbereiche behandelt, die als myofasziale Triggerpunkte bezeichnet werden und lokale oder ausstrahlende Beschwerden hervorrufen können.
Der Begriff „dry“ bedeutet, dass über die Nadel keine Medikamente oder anderen Substanzen injiziert werden.
Obwohl ähnliche Nadeln verwendet werden, ist Dry Needling nicht mit einer klassischen Akupunkturbehandlung gleichzusetzen. Die Auswahl der behandelten Bereiche orientiert sich an der muskuloskelettalen Untersuchung und an den individuell reproduzierbaren Beschwerden, nicht an einem traditionellen Meridiansystem.
Als Triggerpunkte werden druckempfindliche Bereiche innerhalb der Muskulatur bezeichnet. Bei Druck oder Belastung können sie lokale Beschwerden auslösen oder Schmerzen in andere Körperregionen übertragen. Manche Patient*innen empfinden solche Bereiche als verhärtet, verspannt oder besonders empfindlich.
Triggerpunkte sind jedoch keine eindeutig abgrenzbaren „Knoten“, die sich zuverlässig messen oder immer klar ertasten lassen. Auch die genauen Entstehungsmechanismen sind wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Muskelbelastung, Stress, ungewohnte Aktivität, Schlafmangel und andere Faktoren können die Empfindlichkeit des Gewebes beeinflussen.
Druckempfindliche Muskelbereiche können bei manchen Beschwerden eine Rolle spielen, sind aber nicht automatisch deren alleinige Ursache. Deshalb betrachten wir sie immer im Zusammenhang mit dem gesamten Beschwerdebild, der Belastbarkeit, der Bewegung und möglichen weiteren Einflussfaktoren.
In der Behandlung können manuelle Techniken oder Dry Needling eingesetzt werden, um Beschwerden vorübergehend zu beeinflussen. Ein möglicherweise entstehendes Gefühl von Entlastung oder besserer Beweglichkeit kann anschließend für aktive Bewegung, Übungen und einen schrittweisen Belastungsaufbau genutzt werden. Unser Ziel ist nicht, vermeintliche Knoten dauerhaft „auflösen“ zu müssen, sondern einen selbstständigen und sicheren Umgang mit Bewegung und Belastung zu fördern.
Das Einführen der Nadel wird häufig nur als kurzer Einstich wahrgenommen. Bei der Behandlung des Muskelgewebes können vorübergehend ein Druckgefühl, ein ziehendes Gefühl oder eine kurze Muskelreaktion auftreten.
Manche Patient*innen berichten nach der Behandlung über ein vorübergehend leichteres oder „gelösteres“ Gefühl im behandelten Bereich. Dieses Zeitfenster kann genutzt werden, um den Einstieg in aktive Bewegung und individuell angepasste Übungen zu erleichtern.
Eine solche unmittelbare Reaktion ist jedoch weder garantiert noch Voraussetzung für einen Behandlungserfolg.
Dry Needling kann bei ausgewählten muskuloskelettalen Beschwerden eine mögliche Behandlungsoption sein, beispielsweise wenn muskuläre Druckempfindlichkeit oder schmerzhafte Muskelbereiche einen relevanten Anteil an den Beschwerden haben.
Mögliche Anwendungsbereiche können sein:
Ob Dry Needling im individuellen Fall geeignet ist, lässt sich nicht allein anhand des Schmerzortes entscheiden. Vor der Behandlung berücksichtigen wir den bisherigen Verlauf, Begleiterkrankungen, Medikamente, mögliche Gegenanzeigen und auffällige neurologische oder andere Symptome.
Dry Needling kann bei einigen Beschwerden kurzfristig Schmerzen reduzieren und die Funktion oder Beweglichkeit beeinflussen.
Die Studienlage ist jedoch je nach Körperregion und Beschwerdebild unterschiedlich. Im Vergleich mit keiner Behandlung oder einer Scheinbehandlung zeigen sich teilweise kurzfristige Vorteile. Gegenüber anderen geeigneten physiotherapeutischen oder konservativen Behandlungen ist Dry Needling jedoch nicht grundsätzlich überlegen.
Wir betrachten Dry Needling deshalb nicht als alleinige oder ursächliche Lösung, sondern gegebenenfalls als ergänzende Maßnahme. Es ersetzt keine angemessene Beratung, Bewegung oder aktive Rehabilitation.
IMES steht für intramuskuläre elektrische Stimulation. Dabei werden eine oder mehrere eingebrachte Nadeln mit einem Gerät verbunden und mit niedrig dosiertem elektrischem Strom stimuliert.
Je nach Einstellung kann dies als rhythmisches Kribbeln oder als wiederholte, kontrollierte Muskelkontraktion wahrgenommen werden. Die Intensität wird individuell angepasst.
IMES kann als Variante oder Ergänzung des Dry Needlings eingesetzt werden. Eine grundsätzlich stärkere, nachhaltigere oder bessere Wirkung gegenüber Dry Needling ohne elektrische Stimulation ist bisher nicht eindeutig nachgewiesen.
Ob IMES sinnvoll ist, wird daher individuell entschieden.
Dry Needling und IMES sind invasive Behandlungsverfahren. Wir verwenden sterile Einmalnadeln und berücksichtigen anatomische Strukturen, hygienische Standards und individuelle Risikofaktoren.
Vorübergehend können unter anderem auftreten:
Schwerwiegende Komplikationen sind selten, können jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden. Dazu gehören beispielsweise Infektionen sowie Verletzungen von Nerven, Gefäßen oder inneren Organen. Bei Nadelungen im Bereich des Brustkorbs besteht außerdem das seltene Risiko eines Pneumothorax.
Vor der Behandlung besprechen wir mögliche Risiken, Gegenanzeigen und Alternativen. Informieren Sie uns bitte über relevante Erkrankungen, Medikamente und frühere ungewöhnliche Reaktionen auf Nadel- oder Strombehandlungen.
Wenn Sie keine Nadelbehandlung wünschen oder diese nicht geeignet ist, stehen andere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Wir arbeiten nach den Richtlinien der Dry Needling Gesellschaft (DGS/DGSA) und orientieren uns an den Schweizer Ausbildungsstandards für Dry Needling und intramuskuläre Stimulation.
Die DGS-Academy bietet umfassende Informationen zu Dry Needling, manueller Triggerpunkt-Therapie und den zugrunde liegenden wissenschaftlichen Konzepten.
Mehr erfahren bei der DGS-AcademyDry Needling und IMES sollen nicht den Eindruck vermitteln, dass Muskeln dauerhaft „verhärtet“, verkürzt oder regelmäßig von außen gelöst werden müssten.
Eine passive Behandlung kann vorübergehend Beschwerden beeinflussen oder Bewegung erleichtern. Für einen langfristig selbstständigen Umgang mit wiederkehrenden oder anhaltenden Beschwerden sind häufig zusätzlich Bewegung, ein schrittweiser Belastungsaufbau und individuell angepasste Übungen sinnvoll.
Unser Ziel ist es, eine mögliche kurzfristige Veränderung sinnvoll für aktive Bewegung zu nutzen und Ihre Selbstwirksamkeit zu fördern.
Dry Needling und IMES werden als Ergänzung zur osteopathischen Behandlung angeboten und sind im Aufpreis enthalten.
Informationen zu unseren Preisen, den jeweiligen Voraussetzungen und einer möglichen Kostenerstattung finden Sie auf der Seite "Preise und Kostenerstattung".
Bitte klären Sie eine mögliche Erstattung im Zweifelsfall vorab mit Ihrer Krankenversicherung.